SCHOPFHEIM. Jugendliche aus dem ganzen Landkreis beschäftigten sich am Mittwoch im evangelischen Gemeindesaal mit ein paar riesigen Pizzen, der Bundespolitik und mit den Kandidaten, die den Wahlkreis Lörrach-Müllheim und ihre Vorstellungen von guter Bundespolitik als Abgeordnete in Berlin vertreten wollen.

Auf Einladung des Kreisjugendrings, des Stadtjugendrings Lörrach, der Evangelischen Bezirksjugend Markgräflerland und unter Beteiligung der Landeszentrale für politische Bildung durfte der Nachwuchs die Vertreter von sieben Parteien mit Fragen löchern, mit einem Stück Pizza in der Hand über Themen diskutieren, die ihnen auf den Nägeln brennen. Sie erhofften sich Antworten, die ihnen helfen könnten, am Sonntag beim ersten Urnengang ihres noch jungen Lebens ihr Kreuzchen zu machen. An sieben Thementischen bekamen sie reichlich meinungsbildenden Stoff geliefert. In großen Gruppen scharten sich die Jugendlichen um jeweils einen der Kandidaten, die das Bad in der Menge genossen. Wolfgang Fuhl (AfD), Christoph Hoffmann (FDP), Jonas Hoffmann (SPD), Sabine Schumacher (Piraten), Armin Schuster (CDU), David Trunz (Linke) und Gerhard Zickenheiner (Grüne) waren sichtbar vergnügt.

Es war sehr schwer, Stimmungen oder Meinungen der Jugendlichen im überfüllten Gemeindesaal aufzuschnappen. Viele, fast schon zu viele junge Menschen waren von dem Angebot der Gastgeber so begeistert, dass die Veranstalter völlig von den Socken waren ob der Resonanz, die unter der Überschrift “Politik und Pizza” nicht zum ersten Mal unter der Regie der Landeszentrale für politische Bildung stattfand. Deren Referent Jonathan Heimburger war “total geflasht” wegen des enormen Andrangs. Mitorganisator Jörg Mauch fürchtete um Lieferengpässe beim Pizzadienst.

Sonja Summ vom Lörracher Stadtjugendring hatte zur Einstimmung jungen Nachwuchspolitikern Gelegenheit gegeben, den Gästen im Saal zu erläutern, wer oder was sie motivierte, politisch aktiv zu werden. Schon da kristallisierte sich heraus, dass es den meisten jungen Menschen nicht so sehr um einzelne Parteien ging, sondern dass sie sich entschlossen, “nicht einfach nur zuzusehen, sondern das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen” und damit die Möglichkeiten, die ihnen in einem Land wie Deutschland geboten sind, voll auszuschöpfen. Schon das war beeindruckend. So richtig unter die Haut aber ging, dass alle Kandidaten äußerst fair behandelt wurden und ihre Vorstellungen, Ideen und Projekte ohne auch nur die geringste Störung vorbringen konnten, als sie sich und die Ziele ihrer Partei mit wenigen Sätzen ins rechte Licht rücken durften. Auch da war Moderator Heimburger baff: “Ihr setzt hier ein deutliches Zeichen für unsere Demokratie, die nicht angeboren ist, sondern im Laufe der Jahre aufgebaut wurde”, freute er sich, um dann die ungeteilte Aufmerksamkeit im Saal zu genießen, als er im Stile eines Schulmeisters eine knappe Stunde lang die Strukturen der Demokratie, des Bundestages und des Wahlsystems multimedial erläuterte.

Dann ging’s an den Tischen zur Sache. Die Politiker versuchten – aus jeweils eigener Perspektive – mit Themen wie Umwelt, Klima, Verkehr, Massentierhaltung, Bildung, Menschenrechte, Grundeinkommen, sozialer Gerechtigkeit, Breitbandversorgung, Freiheit und Europa zu punkten, Ängste (“Ihr seid in allen Lebensbereichen die betrogene Generation”) zu schüren oder Hoffnung zu entfachen (“Ihr seid die Generation mit weltweit konkurrenzlos besten Aussichten auf eine vielversprechende Zukunft”).

So unterschiedlich die Positionen dabei waren: Immer wieder wurde darauf gedrungen, zur Wahl zu gehen. “Mischt euch ein, engagiert euch politisch!”, forderte Jonas Hoffmann (SPD) ein ums andere Mal. Und Schuster ließ nicht nach im Bemühen, seinen Zuhörern rund um die Pizzaschachteln “Lust auf politisches Engagement” zu machen und ihnen die Entscheidung dazu zu erleichtern: “Es ist gleich, es ist fast gleich, in welcher Partei oder Gruppierung ihr das tun wollt. Hauptsache, ihr tut etwas.”
Quelle:
http://www.badische-zeitung.de/kreis-loerrach/politik-mit-pizza-schmeckt-der-jugend–142249549.html